Sonntag, 20. Dezember 2015

Kritik am Menschenbild des Libertarismus

Es gibt viele Kritkpunkte am theoretischen Gesellschaftsmodell des Libertarismus. Die meisten beziehen sich auf soziale Regelungsfragen. Aber jede Gesellschaftsform basiert auf einem Menschenbild. Ohne Kenntnis der wahren Natur des Menschen kann keine Aussage zu seinem wahren Freiheitsgrad gemacht werden. Das Menschenbild des Libertarismus macht auf halben Wege halt. Zur seiner Widerlegung, bzw. Vervollständigung leistet Friedrich Schillers Text "Vom Erhabenen" gute Dienste.

Libertarismus oder Liberalismus? 


"Es gibt unter libertären Denkern solche, die sich dem klassisch liberalen Spektrum zuordnen, und es gibt eine anarchokapitalistische Fraktion. Beide haben Gemeinsamkeiten, aber auch große Unterschiede. Die meisten liberalen Denker wie z.B. Ludwig von Mises oder Friedrich August von Hayek haben sich klar gegen den Anarchismus ausgesprochen ... Wenn Libertäre dem klassisch liberalen Spektrum gehören, sollten sie sich als solche bezeichnen. Wenn sie Anarchisten sind, sollten sie sich eben als Anarchisten bezeichnen. Warum beides mit dem Label “libertär” vermischen?"
- Arpin (liberaler Atheist)

Heutige Libertarier grenzen sich von Liberalen deutlich ab, ohne sich zur Anarchie zu bekennen. Am besten trifft die Kategorisierung unter "Anarchokapitalismus" zu. Libertarier sehen im staatlichen Gewalt- und Geldmonopol den eigentlichen Grund für die Unterdrückung der Menschheit, das letzte Hindernis, das noch abgeschaft werden müsse, damit alle Menschen gleichberechtigt in den Genuss des technologischen Fortschritts gelangen könnten. Sie fordern deshalb die staatenlose, hierarchielose (anarchische) Gesellschaft. Ohne staatlichen Schutz (z.B. Patentrecht und Copyright) könnte jede Marktführerschaft eines Einzelunternehmens gebrochen werden, sobald es sich lohnen würde, wird behauptet.



Die ideale Gesellschaftsform


Grundsätzlich jedoch kann ein hinreichend komplexes System oder Organismus nur hierarchisch funktionieren. Vergleiche den menschlichen Körper mit einer Amöbe oder eine Dorf von Pfahlbauern mit der heutigen hochtechnisierten Zivilisation. Das Problem der ungerechten Wohlstandsverteilung entsteht nicht durch fehlerhafte oder übertriebene Organisationfsorm, sondern durch spirituelle Unwissenheit (insb. über die menschliche Natur). Ob ein gemeinwohlorientierter Staat durch Interessengruppen von innen unterhöhlt und zweckentfremdet wird, oder ob genügend starke Interessengruppen einer anarchischen Gesellschaft eine "Pseudoregierung" bilden und von innen aushöhlen, um so ihre Macht zu sichern, bleibt im Ergebnis dasselbe:

Es gibt keine Gesellschaftsform, die gegen Missbrauch schützt.


Der Libertarismus erinnert an die antiautoritäre "Laissez-faire"-Erziehung. Dieses Experiment ist in die Hose gegangen. Man weiß heute: Kinder brauchen Disziplin, ja sie habe Anspruch drauf. Sie wollen nicht alle Entscheidungen selbst treffen müssen, sondern ihre Kindheit ausleben dürfen. Grenze ist immer auch Kontakt. An Grenzschichten findet Austausch, Transformation, Wachstum und Leben statt. Obwohl Kinder von Grund auf gut sind, so bedarf es der Führung (Erziehung) durch die selbstlosen Eltern.

Die Kritik am heutigen Staat und an der Staatsform ist berechtigt. Aber die Lösung durch Abschaffung des Nationalstaates arbeitet nur dem NWO-Kommunismus in die Hände ("Imagine, no countries, no possession, no religion").

Keine Höherentwicklung ohne  Staatsapparat. 

Der Libertarismus teilt das illuminiert-dystopische Paradigma, ohne sich dessen bewusst zu sein: Die negative Identität. Verneinung, statt Bejahung. Gegen den Staat und somit gegen systemische Höherentwicklung. Statt dem fehlerhaften Inhalt (Spiritualität) wird die fehlerhafte Organisationsform (hierarchische Gesellschaft) kritisiert. Der souveräne Staat hat jedoch dieselbe Bedeutung und Existenzberechtigung, wie der souveräne Bürger, nur eben auf der nächsthöheren, kollektiven Ebene. Ein freiwilliger Staatenbund, statt ein gleichmacherischer Bundesstaat (EU, USA) würde Frieden und Wohlergehen für alle sichern. Man muss auf Staatsebene das Rad nicht neu erfinden, sondern braucht doch einfach nur von der kleinsten Einheit der Gesellschaft, der Familie auszugehen. Die elterliche Liebe, die selbstlose Sorge um ein Drittes (die Kinder) ist - mit Friedrich Schiller - die treibende Kraft hinter der Gesellschaft, und nicht etwa - mit Immanuel Kant - der egoistische Wettbewerb, der Wunsch, über andere herrschen zu wollen. 

Um die spirituelle Krise zu überwinden, sollte, statt den Wettbewerb zu liberalisieren, die Erkenntnis der Natur des Menschen gefördert werden, die sich in Mitgefühl gegenüber dem Nächsten und der Schöpfung äußert.


Zwei diametrale Menschenbilder


Das Menschenbild ist entscheidend für die Wahl der Staatsform. Ist der Mensch von Grund auf gut oder von Grund auf böse? Kant vertrat letztere These und forderte den Super-Staat (dessen beispielhafte Ausformung die "Vereinigten Staaten von Europa" wären). Schiller dagegen sah in den Fehlschlägen der menschlichen Geschichte den Ausdruck einer selbstverantwortlichen, allmählich-organischen Höherentwicklung. Der Grundlagenartikel War Schiller ein Kantianer? aus der Zeitschrift "Neuen Solidarität" zeigt, dass der Konflikt der zwei Menschenbilder so alt ist wie die Menschheit.


Der Menschheit wurde in regelmäßigen Abständen, sowie adaptiert an den jeweiligen kulturellen Kontext, die unveränderliche Wahrheit offenbart durch spirituelle Lehrer und soziale Reformer.  Was wir derzeit an Chaos erleben, wurde von den biblischen "Söhnen des Ungehorsams" (unverantwortliche Führungselite) initiert und von den "Kindern des Zorns" (verführte Volksmassen) ausagiert.


Oliver Janich schreibt über sein vielbeachtetes Buch "Die Vereinigten Staaten von Europa":
"Um die Thesen dieses Buches zu widerlegen, müssten Sie die Natur des Menschen leugnen, von zwei Zuständen denjenigen zu bevorzugen, der seine subjektiven Bedürfnisse besser befriedigt. Das gilt sowohl für meine Ausführungen zur Privatrechtsordnung, mit denen ich beginnen werde, als auch für meine Analyse der Machtelite."
- Oliverjanich.de

Diese vermeintlich "unangreifbare Bastion" entpuppt sich in Wahrheit als strukturelle Schwäche im Gebäude des Libertarismus. Der Mensch ist ein Zwitterwesen, das aus einer niederen (lust- und befriedigungsorientierten) und einer höheren (liebes- und opfer-, bzw. wachstumsorientierten) Natur besteht. Janich begrenzt die menschliche Natur willkürlich auf den niederen, bedürfnis- und triebgesteuerten Aspekt. Damit stellt er sich ironischerweise exakt auf ein und dieselbe Stufe mit dem Superstaat-Verfechter und "Brotgelehrten"  Immanuel Kant, wie ihn Schiller nannte (den Begriff "Brotgelehrter" hat Schiller in seiner mit stehenden Ovationen bejubelten Jenaer Antrittrede als Geschichtsdozent genau definiert), bzw. mit eben jener "Machtelite", die er so bekämpft.

"Die Dämonischen Wesen behaupten, dieses Universum sei ohne Wahrheit, ohne Grundlage, ohne Gott, sondern rein aus der sexuellen Vereinigung entstanden, und pure Lust sei seine einzige Ursache."- Bhagavad Gita, 16:8

Interessant ist die Beobachtung, dass der Begriff "Lust" seit etwa zwei Jahrzehnten immer mehr Raum in unserer total erotisierten Spaßgesellschaft einnimmt und das Wort "Liebe" immer inflationärer ausgehöhlt wird ("Ich liebe es").

In seiner Abhandlung "Vom Erhabenen" bestätigt Schiller zunächst das höchste Prinzip des Libertarismus:
»Kein Mensch muß müssen,« sagt der Jude Nathan zum Derwisch, und dieses Wort ist in einem weitern Umfange wahr, als man demselben vielleicht einräumen möchte. Der Wille ist der Geschlechtscharakter des Menschen, und die Vernunft selbst ist nur die ewige Regel desselben. Vernünftig handelt die ganze Natur; sein Prärogativ ist bloß, daß er mit Bewußtsein und Willen vernünftig handelt. Alle andern Dinge müssen; der Mensch ist das Wesen, welches will.
Eben deßwegen ist des Menschen nichts so unwürdig, als Gewalt zu erleiden, denn Gewalt hebt ihn auf. Wer sie uns anthut, macht uns nichts Geringeres als die Menschheit streitig; wer sie feiger Weise erleidet, wirft seine Menschheit hinweg. Aber dieser Anspruch auf absolute Befreiung von allem, was Gewalt ist, scheint ein Wesen vorauszusetzen, welches Macht genug besitzt, jede andere Macht von sich abzutreiben. Findet er sich in einem Wesen, welches im Reich der Kräfte nicht den obersten Rang behauptet, so entsteht daraus ein unglücklicher Widerspruch zwischen dem Trieb und dem Vermögen.

Freiwillige Unterwerfung


Wie man erkennen kann, wurde dieses Prinzip von den Libertariern gar nicht neu gedacht, sondern es wird nur einen Aspekt der menschlichen Natur beleuchtet (der niedere Impuls), der lediglich überbetont und isoliert wird. Im Folgenden beweist Schiller, dass allein schon die Tatsache der unausweichlichen Gewalterleidung durch den Tod den Menschen zu freiwilligen Unterwerfung zwingt. 
In diesem Falle befindet sich der Mensch. Umgeben von zahllosen Kräften, die alle ihm überlegen sind und den Meister über ihn spielen, macht er durch seine Natur Anspruch, von keiner Gewalt zu erleiden. Durch seinen Verstand zwar steigert er künstlicher Weise seine natürlichen Kräfte, und bis auf einen gewissen Punkt gelingt es ihm wirklich, physisch über alles Physische Herr zu werden. Gegen alles, sagt das Sprüchwort, gibt es Mittel, nur nicht gegen den Tod. Aber diese einzige Ausnahme, wenn sie das wirklich im strengsten Sinne ist, würde den ganzen Begriff des Menschen aufheben. Nimmermehr kann er das Wesen sein, welches will, wenn es auch nur einen Fall gibt, wo er schlechterdings muß, was er nicht will. Dieses einzige Schreckliche, was er nur muß und nicht will, wird wie ein Gespenst ihn begleiten und ihn, wie auch wirklich bei den mehresten Menschen der Fall ist, den blinden Schrecknissen der Phantasie zur Beute überliefern; seine gerühmte Freiheit ist absolut nichts, wenn er auch nur in einem einzigen Punkte gebunden ist. Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm dazu behilflich sein, seinen ganzen Begriff zu erfüllen. Sie soll ihn also fähig machen, seinen Willen zu behaupten, denn der Mensch ist das Wesen, welches will.
Dies ist auf zweierlei Weise möglich. Entweder realistisch, wenn der Mensch der Gewalt Gewalt entgegensetzt, wenn er als Natur die Natur beherrschet; oder idealistisch, wenn er aus der Natur heraus tritt und so, in Rücksicht auf sich, den Begriff der Gewalt vernichtet. Was ihm zu dem ersten verhilft, heißt physische Kultur. Der Mensch bildet seinen Verstand und seine sinnlichen Kräfte aus, um die Naturkräfte, nach ihren eigenen Gesetzen, entweder zu Werkzeugen seines Willens zu machen, oder sich vor ihren Wirkungen, die er nicht lenken kann, in Sicherheit zu setzen. Aber die Kräfte der Natur lassen sich nur bis auf einen gewissen Punkt beherrschen oder abwehren; über diesen Punkt hinaus entziehen sie sich der Macht des Menschen und unterwerfen ihn der ihrigen.
Jetzt also wäre es um seine Freiheit gethan, wenn er keiner andern als physischen Kultur fähig wäre. Er soll aber ohne Ausnahme Mensch sein, also in keinem Fall etwas gegen seinen Willen erleiden. Kann er also den physischen Kräften keine verhältnißmäßige physische Kraft mehr entgegensetzen, so bleibt ihm, um keine Gewalt zu erleiden, nichts anders übrig, als: ein Verhältniß, welches ihm so nachtheilig ist, ganz und gar aufzuheben und eine Gewalt, die er der That nach erleiden muß, dem Begriff nach zu vernichten. Eine Gewalt dem Begriffe nach vernichten, heißt aber nichts anders, als sich derselben freiwillig unterwerfen.
Und dann schließt Schiller den Bogen zur Grundbotschaft aller Religionen: Nur der moralische Mensch ist ganz frei:
Die Kultur, die ihn dazu geschickt macht, heißt die moralische.
Der moralisch gebildete Mensch, und nur dieser, ist ganz frei.

So muss man denn auch die Goetheworte verstehen:
Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist,
Wenn Islam »Gott ergeben« heißt!
Im Islam leben und sterben wir alle. 

Islam heißt wörtlich übersetzt: Unterwerfung. War Goethe deshalb strenggläubiger Moslem? Nein; Goethe war Essenzphilosoph. Und in ihrer Essenz sind alle Religionen und Philosophien eins.
"Goethe war - neben Schiller - einer DER freiheitlichsten und freigeistigsten Denker und Dichter seiner Zeit, mit konfessionell verstandenen Religionen hatte er nichts zu tun. Allein die Tatsache, dass Goethe sich immer wieder auf Spinoza berief, zeigt, wie fern er dem Islam und de facto auch dem Christentum war (de iure war und blieb er immer Christ)."
- Blog-Kommentar von "PeBu"

Schiller weiter: Der Mensch muss mit und nicht gegen die Natur handeln:
Entweder er [der Mensch] ist der Natur als Macht überlegen, oder er ist einstimmig mit derselben. Nichts, was sie an ihm ausübt, ist Gewalt, denn eh' es bis zu ihm kommt, ist es schon seine eigene Handlung geworden, und die dynamische Natur erreicht ihn selbst nie, weil er sich von allem, was sie erreichen kann, freithätig scheidet.
Vergleiche dazu die Jesusworte: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!" sowie "Ich und der Vater sind eins"! Und weiter erklärt Schiller, dass nicht nur der Verstand gefordert ist, sich dem "göttlichen Rathschluß" zu ergeben, sondern "das ganze Gemüth".
Diese Sinnesart aber, welche die Moral unter dem Begriff der Resignation in die Nothwendigkeit und die Religion unter dem Begriff der Ergebung in den göttlichen Rathschluß lehret, erfordert, wenn sie ein Werk der freien Wahl und Ueberlegung sein soll, schon eine größere Klarheit des Denkens und eine höhere Energie des Willens, als dem Menschen im handelnden Leben eigen zu sein pflegt. Glücklicher Weise aber ist nicht bloß in seiner rationellen Natur eine moralische Anlage, welche durch den Verstand entwickelt werden kann, sondern selbst zu seiner sinnlich vernünftigen, d. h. menschlichen Natur eine ästhetische Tendenz dazu vorhanden, welche durch gewisse, sinnliche Gegenstände geweckt und durch Läuterung seiner Gefühle zu diesem idealistischen Schwung des Gemüths kultiviert werden kann. Von dieser, ihrem Begriff und Wesen nach zwar idealistischen Anlage, die aber auch selbst der Realist in seinem Leben deutlich genug an den Tag legt, obgleich er sie in seinem System nicht zugibt, werde ich gegenwärtig handeln.
Als wenn Schiller insgeheim immer nur Jesus zitieren wollte. Jesus' Antwort auf die Frage eines Schriftgelehrten, was das höchste Gebot sei, war:
„Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“

- Mk 12,29

Es führt auch für den kompromisslosen Libertarier kein Weg daran vorbei, sich mit dem tieferen Sinn des Lebens und der menschlichen Natur zu befassen, sich wieder mit dem Ursprung zu verbinden (lat. "re-ligio").

Solange der Mensch die Augen vor seiner eigenen göttlichen Ebenbildlichkeit und Kindschaft verschließt, versinkt er nur immer tiefer in der selbstverschuldeten spirituellen Krise.


Die Arroganz der Libertarier gegenüber hierarchiegläubigen Diskussionspartnern scheint bis jetzt das einzige "grenzenlos Libertäre" zu sein. ;-)


Wahrer Frieden durch wahre Freude


Dem Libertarismus fehlt bis heute ein funktionierendes Praxisbeispiel, welches es wohl auch nie geben wird! Der souveräne Nationalstaat entspricht dem souveränen Individuum. Kein Bundesstaat, sondern Staatenbund wäre das Ideal für die Förderung des Gemeinwohls. Und zweitens und vor allem ist nach Schiller der Libertarismus bezüglich seiner Definition von Freiheit und Selbstbestimmtheit unvollständig. Die Lösung des "Kapitalismusproblems" (Faschismus) ist kein "Anarcho-Kapitalismus", sondern sie ist nur auf der spirituellen Ebene zu finden. Nur ein ganzheitliches Menschenbild führt die Menschheit aus der Krise. Im Vedischen wird die wahre Natur Gottes und des Menschen als Sat-Chit-Ananda bezeichnet, als Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit. Die "Glückseligkeit" kann letztlich immer nur aus dem Sein und nicht etwa aus dem materiellen Haben oder Bekommen resultieren. Erst die Erkenntnis der eigenen Natur verleiht Freude und ist damit die Voraussetzung für inneren und äußeren Frieden, für die Bruderschaft der Menschen. Dieses Menschheitswissen ist zeitlos und universell. So hat es es ein Sioux-Schamane wunderschön formuliert: 
Der erste Friede - der wichtigste - zieht in die Seele des Menschen ein, wenn er seine Verwandschaft, seine Harmonie mit dem Universum erkennt - in dem Wissen, dass im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt. Und dass diese Mitte tatsächlich überall ist - in jedem von uns. Dies ist der wirkliche Friede. Alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.
Der zweite Friede ist der, welcher zwischen
einzelnen geschlossen wird. Und der dritte ist der Frieden zwischen den Völkern.
Doch vor allem müsst Ihr verstehen, dass es nie Frieden zwischen Völkern geben kann, wenn nicht der erste Friede vorhanden ist, welcher innerhalb der Seele wohnt.
- Hehaká Sapa, Ogallal-Sioux

Die berühmteste "Verdichtung" der engen Beziehung von Frieden und Freude stammt übrigens wieder von Schiller:
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!
||: Deine Zauber binden wieder,
was die Mode streng geteilt;
alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt. :||


- Friedrich Schiller, Ode an die Freude





Kommentare:

  1. hallo Phillie, wenn das was du da oben zusammen gefasst hast auf deinem eigenen Mist gewachsen ist, dann Chapeau! Da hast du mir jetzt gleichzeitig den Anstoß gegeben, Schillers "Philosphische Schriften" mir auf mein nachtkästchen zu legen. Diese Gegesätzlichkeit zu kant find ich spannend. den Artikel in der "Neuen Solidarität" hab ich mal geelesen, finde ihn aber leider nicht mehr. Da müssen wir dran bleiben.

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  2. Danke, Max! Das Kompliment gebührt unseren großen deutschen Dichtern und Denkern (die ironischerweise im Ausland mehr geschätzt werden, als in Schland). Sie standen Jesus näher, als so mancher Christ. Der Schiller/Kant Grundlagenartikel ist oben verlinkt, guckst Du nochmal!

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